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15.07.2019

KassenSichV: Die wichtigsten Fakten! (August 2019)

Die Kassensicherungsverordnung kommt! Was dich ab dem 01.01.2020 erwartet und wie du Dein Kassensystem auf die KassenSichV vorbereiten kannst ➡️ Auf dieser Seite ✅

KassenSichV: Erfahren Sie welche Maßnahmen das Finanzamt für die Zukunft des Einzelhandels geplant hat und wie Sie sich auf die Kassensicherungsverordnung rechtzeitig vorbereiten.

Die Digitalisierung hat den Einzelhandel schon jetzt maßgeblich verändert. Händler steigen zunehmend auf elektronische Kassensysteme um, die nicht nur die täglichen Kaufprozesse im Geschäft optimieren, sondern zusätzliche Online Verkaufsfelder bieten. Mit diesen neuen Möglichkeiten für den Handel kommen jedoch auch neue Herausforderungen - vor allem für den Steuervollzug. Denn elektronische Kassen sind sehr leicht zu manipulieren und schwer zu überprüfen. Dadurch gehen dem Staat beim Steuervollzug jährlich mehrere Milliarden Euro verloren, denen man daher verständlicherweise auf den Grund gehen will. Allein im Jahr 2017 wurden laut dem Bundesamt der Finanzen schätzungsweise 2,9 Mrd. Euro unterschlagen.  In diesem Zusammenhang wurden in den letzten Jahren immer wieder neue Gesetze und Verordnungen verabschiedet, die den Handel mit elektronischen Kassensystemen besser regulieren sollen. Es geht dabei um die sogenannte Fiskalisierung.

 

Die Fiskalisierung in Deutschland

Den Prozess der Fiskalisierung haben bereits etliche andere EU-Staaten eingeführt, um Transaktionen mit elektronischen Kassensystemen sicherer zu gestalten.  Die Grundprinzipien der Fiskalisierung sind die nahtlose Aufzeichnung aller Umsatzdaten, sowie deren geschützte Aufbewahrung, um Manipulation vorzubeugen. Nun hat auch Deutschland die bundesweite Fiskalisierung eingeläutet und dieses Vorhaben erst mit der GoBD von 2015 und schließlich mit der Kassensicherungsverordnung (2017) konkretisiert.

zeitstrahl

 

Die GoBD sind die Grundsätze ordnungsgemäßer elektronischer Buchführung. Der Kern dieser Grundsätze ist die Einzelaufzeichnungspflicht. Die besagt, dass alle Geschäftsvorgänge und Umsatzdaten einzeln aufgeführt und einheitlich gespeichert werden müssen, so dass sie für die Betriebsprüfer unmissverständlich prüfbar sind. Hinzu kommt seit 2018, dass das Finanzamt jederzeit eine "unangekündigte Kassennachschau” machen kann, um die ordnungsgemäße Buchführung zu überprüfen.

Wesentlich konkreter wurden die Ziele des Bundesamtes der Finanzen jedoch in der Kassensicherungsverordnung festgeschrieben.

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Die Kassensicherungsverordnung (KassenSichV)

Die Kassensicherungsverordnung (kurz: KassensichV) ist die praktische Umsetzungsanleitung des Gesetzes zum Schutz vor Manipulation an digitalen Grundaufzeichnungen. Während das Gesetz eher theoretisch erläutert welche Sicherheitsmaßnahmen der Bund zur Kassensicherung vorsieht, beschäftigt sich die KassensichV mit der genauen praktischen Handhabung.

Zur Vorschrift der Einzelaufzeichnungspflicht und präzisen Aufbewahrung aller Umsatzdaten, die bereits in Kraft getreten sind, kommt nun die Einführung einer technischen Sicherheitseinrichtung (TSE), die als das Kernstück der Kassensicherungsverordnung und der gesamten Fiskalisierung gesehen werden kann. Schon ab dem 01.01.2020 muss jedes elektronische Kassensystem über so eine zertifizierte Sicherheitseinrichtung verfügen, weshalb für uns Kassenanbieter und für Sie als Händler nicht mehr viel Zeit für die Umstellung bleibt. Allerdings sollten Sie sich nicht unnötig beunruhigen, da an der Entwicklung der technischen Sicherheitseinrichtung aktuell verschiedene Unternehmen arbeiten und einige Prototypen bereits kurz vor der Zertifizierung stehen. 

Zusätzlich schreibt die KassenSichV eine Belegausgabepflicht vor. Die Frage der Kassierer, ob Sie einen Kassenbeleg benötigen werden Sie also in Zukunft nicht mehr hören, da diese gesetzlich dazu verpflichtet sind Ihnen den Bon auszuhändigen. Das ist allerdings auch in elektronischer Form möglich. Einzelne Betriebe, wie Bäcker oder Zeitungsläden, die täglich Unmengen an kleineren Einzelprodukten verkaufen sind von dieser Pflicht jedoch ausgenommen, sobald sie eine Genehmigung des Finanzamtes erhalten haben.

  Tillhub-KassensicherungsV

Welche Daten sollen durch die TSE gesichert werden?

Generell sollen durch die technische Sicherheitseinrichtung alle Geschäftsvorgänge aufgezeichnet und gesichert werden. Diese müssen in einem manipulationssicheren Protokoll gelistet und  jederzeit exportierbar sein. Auf folgende Daten will das Finanzamt zugreifen: 

  • Zeitlicher Beginn und  Ende jedes Vorgangs 
  • Art des Vorgangs mit allen spezifischen Daten des Vorgangs
  • Zahlungsweise 
  • Eine nachvollziehbare und konstante Transaktionsnummer
  • Prüfwert
  • Seriennummer Ihres Aufzeichnungssystems oder Sicherheitsmoduls

Was beinhaltet die technische Sicherheitseinrichtung?

Die technische Sicherheitseinrichtung (TSE), die Ihre Kasse ab 2020 benötigt, muss eine vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (kurz: BSI) zertifizierte Einrichtung sein, die folgende Bestandteile enthält:

  • ein Sicherheitsmodul, 
  • ein Speichermedium und
  • eine einheitliche digitale Schnittstelle

Das Sicherheitsmodul gewährleistet die nahtlose Aufzeichnung aller Geschäftsvorgänge, die mit einer Kasse ausgeführt werden. Jede Transaktion und jede Stornierung soll für die Behörden nachvollziehbar aufgelistet werden, um möglichen Steuerbetrug aufdecken zu können. Damit ist das Sicherheitsmodul salopp gesagt ganz einfach ein Überwachungssystem.

Auf dem Speichermedium sollen alle Umsatzdaten, die für den Steuervollzug unerlässlich sind, gesichert werden. Dafür sieht das Bundesamt der Finanzen ein Code-System vor, wodurch die gesammelten Daten nachträglich nicht mehr verändert werden können. Das Code-System markiert alle Belege in richtiger Reihenfolge, so dass eine kohärente Aufzeichnungskette entsteht. Ist die Reihenfolge dieser Kette unterbrochen, ist klar dass die Aufzeichnungen manipuliert wurden. 

Zuletzt soll durch die einheitliche digitale Schnittstelle die Betriebsprüfung zweckmäßig erleichtert werden, indem eine einheitliche Datenübertragung zwischen dem Kassensystem und der Prüfsoftware des Finanzamtes ermöglicht wird. Ein uniformes Dateiformat soll Manipulation bei der Datenübertragung ausschließen und die Daten jederzeit für die Betriebsprüfer exportierbar machen.

Die TSE soll nach aktuellen Angaben als zusätzliche Hardware an die Kasse angebracht werden.  Die Kosten, die damit für die Sicherheitseinrichtung zusätzlich anfallen, sollen vom Staat allerdings nicht übernommen werden. Als Alternative wird daher derzeit auch eine Cloud-basierte Lösung für die Sicherheitseinrichtung diskutiert. Diese könnte man nicht nur wesentlich kostengünstiger an elektronische Kassensysteme anfügen, sondern auch leichter vor Manipulation sichern. Bisher hat das BSI noch keine klaren Standards für das Sicherheitsmodul oder Speichermedium geschaffen, so dass mögliche Realisierungswege für die technische Sicherheitseinrichtung noch offen stehen. 

Für die iPad-Kassensysteme von Tillhub und vielen anderen Anbietern würde sich die Cloud-Lösung besonders anbieten. Sollte das BSI eine Hardware-Lösung bevorzugen, können wir auch diese in unser System integrieren. Beispielsweise wäre die Anbringung eines speziellen USB-Sticks an den Bondrucker eine Möglichkeit zur Speicherung und Aufzeichnung der Daten. Letztendlich werden wir hierbei entscheiden welche von den zertifizierten Lösungen für unser System und unsere Kunden am besten geeignet sind. 

Tillhub-KassensichV-2020

Sind Sie sich trotz unserer Übersicht nicht sicher, ob Ihr Kassensystem finanzamttauglich ist oder möchten bezüglich der gesetzlichen Änderungen noch mehr ins Detail gehen? Wir haben für sie ein detailliertes E-book zur GoBD erstellt, in dem sie sich kostenlos zu allen relevanten Fragen informieren können.

 

Was Sie bis 2020 konkret umsetzen und beachten müssen

Sofern Ihr Kassensystem umrüstbar ist, müssen Sie die Umstellung in jedem Fall bis Anfang 2020 durchgeführt haben. Wenden Sie sich diesbezüglich am besten an den Hersteller Ihrer Kasse. 

Für alle, die ihr Kassensystem nicht umrüsten können gibt es abhängig vom Anschaffungszeitpunkt der alten Kasse eine Verlängerung der Frist. Wenn Sie Ihr Kassensystem nach dem 25.11.2010 angeschafft haben und dieses den Anforderungen des Finanzamtes von 2010 entspricht, steht Ihnen für den Kassenwechsel eine verlängerte Frist bis 2023 zu. 

Alle Kassensysteme, die nicht umrüstbar sind und vor dem 25.11.2010 angeschafft wurden, müssen ohne Aufschub bis zum 01.01.2020 ausgetauscht werden. 

Da es bislang immer noch keine vom BSI zertifizierte Sicherheitseinrichtung gibt, können Sie derzeit leider nur abwarten oder sich zumindest mit Ihrem Kassenanbieter in Verbindung setzen und erfragen wie dieser die Umsetzung geplant hat. 

Versuchen Sie der Umstellung gelassen entgegenzusehen. In die meisten Kassen lässt sich ein zertifiziertes Sicherheitssystem verhältnismäßig schnell integrieren. Sollte sich die Zertifizierung weiter hinziehen, wäre es aber auch denkbar, dass es einen Aufschub der Frist gibt oder dass eine vorübergehende Lösung für die Umsetzung der KassenSichV gefunden wird. In jedem Fall können Sie und Ihr Kassenhersteller erst zur Tat schreiten, wenn die Bundesämter alle notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen haben. Solange können Sie sich gelassen zurücklehnen und mit uns zusammen die neuesten Entwicklungen beobachten. 

Falls Sie sich noch etwas detaillierter über die Begrifflichkeiten und Bedeutung der KassensichV und der Fiskalisierung informieren wollen, schauen Sie gerne wieder vorbei. Wir werden den Artikel laufend aktualisieren. 

Achtung: Ist ihr Kassensystem gesetzeskonform? Prüfen Sie es!

 

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Thomas
gepostet von Thomas